Walther Rathenau Gesellschaft e.V.

Neue Veröffentlichungen

Martin Sabrow: Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution

Göttingen: Wallstein Verlag; ISBN 978-3-8353-5174-5; 334 Seiten, 17 Abbildungen

Am 24. Juni 1922 wurde Walther Rathenau, Reichsaußenminister der Weimarer Republik, auf offener Straße erschossen. Kein anderes Ereignis hat die Republik von Weimar stärker erschüttert als die Serie von Anschlägen von 1921/1922, die gegen Rathenau und den früheren Reichsfinanzminister Matthias Erzberger, gegen den ersten deutschen Ministerpräsidenten Philipp Scheidemann und schließlich auch gegen den Publizisten Maximilian Harden verübt wurden.

Martin Sabrow geht der Frage nach: Waren die Attentate aufgehetzten Einzeltätern zuzuschreiben, oder steckte hinter ihnen das organisierte Mordkomplott eines Geheimbundes? Der schon von den Zeitgenossen verdächtigten Organisation »Consul« konnte (oder wollte) die deutsche Jusitz keine Schuld nachweisen. Und doch hatte sie offensichtlich alle Fäden in der Hand gehabt. Der Autor deckt die Geschehnisse von damals auf. Er weist die bewusste Rechtsbeugung der konservativ denkenden Justiz nach und erklärt, warum das Ziel der Attentatsserie in der Öffentlichkeit nie vollständig bekannt werden konnte: Sie sollte der geheimgehaltene Auftakt zur deutschen Gegenrevolution werden.

»Martin Sabrow schildert die Attentatsserie und die stellenweise ins Groteske spielende, schließlich aber erfolgreiche Jagd auf Rathenaus Mörder detailliert, tiefschürfend und spannend. Im zweiten Teil des Buches widmet er sich der Verhandlung vor dem Leipziger Staatsgerichtshof gegen die Komplizen der toten Mörder. [...]
Im Nachwort stellt Sabrow die Frage nach der Kontinuität des rechten Terrors bis in die Gegenwart und konstatiert, es ziehe sich ›eine markante Terrorspur durch die Geschichte der Bundesrepublik‹. Auch so kann man dieses Buch über die Gegenrevolution lesen: als Beginn einer durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg ausgelösten Gewaltgeschichte von rechts. Sabrow verneint jedoch mit guten Gründen eine ›ungebrochene Kontinuitätslinie‹ vom ›Weimarer Rechtsputschismus‹ zum heutigen Rechtsterrorismus.«

Cord Aschenbrenner, Süddeutsche Zeitung
Martin Sabrow: Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution

2. Mai 2022